Unterrichtsmagazin: Making and advocating ethical decisions
Raabits Englisch, Klassen 11–13; 7.–9. Lernjahr
Was ist stärker zu gewichten: das Selbstbestimmungsrecht einer Schwangeren oder das Lebensrecht des Ungeborenen? Ab welchem Zeitpunkt gilt für das werdende menschliche Leben das Schutzgebot der Menschenwürde? Die Schülerinnen und Schüler diskutieren mittels der Materialien dieser ausgearbeiteten Unterrichtseinheit ethische Konfliktsituationen und moralische Dilemma an Beispielen ungeplanter Schwangerschaft und Missbildung des Fötus.
Sie vergleichen unterschiedliche gesetzliche Regelungen des Schwangerschaftsabbruchs und üben in einem interkulturellen Rollenspiel Gespräche über dieses emotional besetzte Thema.
Der Einstieg erfolgt anhand eines Diagramms zur pränatalen Entwicklung des Menschen und einer gelenkten Recherche zum Abtreibungsrecht in ausgewählten englisch- und deutschsprachigen Ländern.
Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass die Frage, ab welchem Zeitpunkt das entstehende menschliche Leben volle Schutzrechte genießt, umstritten und in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich geregelt ist. Am Beispiel der Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs in den USA sehen sie, dass das Abtreibungsrecht gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen ist.
Den Hauptteil der Unterrichtseinheit bilden drei Fallbeispiele:
- der Fall einer ungeplant schwangeren abtreibungswilligen 17-jährigen Schülerin (M 3),
- der Fall einer geplant schwangeren afghanischen Immigrantin in den USA, deren Fötus schwer missgebildet ist (M 4) und
- der Fall einer 39-jährigen Rechtsanwältin, die sich nach einer pränatalen Down-Syndrom-Diagnose entschieden hat, ihre geplante Schwangerschaft abzubrechen, deren Arzt bzw. Ärztin sich aber aus religiösen Gründen weigert, dies zu tun (M 5).
Im Fall der afghanischen Immigrantin sind medizinische, psychologische, ethische, juristische und interkulturelle Faktoren miteinander verflochten. Mit dieser Vielfalt von Aspekten bildet er das Herzstück der Unterrichtseinheit.
Zum Abschluss der Reihe üben die Schülerinnen und Schüler in einem Rollenspiel den interkulturellen Austausch über ein sensibles und kontroverses ethisches Thema (M 6). Situativer Rahmen ist eine deutsch-amerikanische Begegnung in einer texanischen Gastfamilie zur Abtreibungsproblematik.
Die Lernerfolgskontrolle erfolgt anhand eines englischen und eines deutschen Textes zum Thema Schwangerschaftsabbruch bei Minderjährigen ("Abortion for minors without parental involvement?").
Themen:
- abortion,
- Safe and legal abortion – A woman’s human right?
- medical ethics,
- women’s rights,
- multicultural society
Kompetenzen:
-
Umgang mit Texten: Fallbeispiele analysieren und reflektieren
-
Sprechen: zu einem gesellschaftlich relevanten, kontroversen Thema begründet und zielkulturell angemessen Stellung beziehen
- den eigenen Standpunkt respektvoll vertreten
Dauer: ca. 8 Stunden + Lernerfolgskontrolle (Klausur) je nach Auswahl der Materialien und Methoden
Vorkenntnisse zu gesellschaftlichen Kulturkämpfen in den USA und Strategien interweltanschaulichen Dialogs sind hilfreich, werden aber nicht vorausgesetzt. Es empfiehlt sich, im Zusammenhang mit dem Religions-, Ethik-, Philosophie- und Politikunterricht zu klären, inwieweit die Schülerinnen und Schüler über Erfahrungen mit Dilemma-Diskussionen und Vorwissen zu ethischen Ansätzen und Entscheidungsmodellen verfügen.
Das Thema Schwangerschaftsabbruch wird auch im Religions-, Ethik- , Philosophie- und Politikunterricht behandelt. Im Idealfall stimmen die Fachgruppen ihre Unterrichtsvorhaben spiralcurricular ab. Die in dieser Unterrichtsreihe nicht thematisierten seelischen Auswirkungen eines Schwangerschaftsabbruchs können zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Religionsunterricht erörtert werden. Unter interkulturellen Gesichtspunkten aufschlussreich ist die Adaption des japanisch-buddhistischen Rituals für die Seelen ungeborener „Wasserkinder“ (mizuko-kuyō) als westliches Trauer-, Schuldbewältigungs- und Heilungsritual.