Determinismus? Eine theologisch-neurowissenschaftliche Diskussion
RAAbits Religion 11.Klasse und 12. Klasse
Im Fokus dieser Einheit steht die Frage nach der Willensfreiheit des Menschen. Dabei werden zwei Perspektiven eingenommen: Vorgestellt werden klassische theologische und philosophische Positionen, die den freien Willen als Grundlage für Verantwortung, Schuld und Gnade begreifen, und neurowissenschaftliche Erkenntnisse, die nahelegen, unser Verhalten und unsere Entscheidungen würden stark von unbewussten, biologischen Prozessen gesteuert.
Die Lernenden erörtern unterschiedliche Positionen. Sie reflektieren eigene Überzeugungen, entwickeln fundierte Argumente und legen die Komplexität der Debatte adäquat dar. Indem Religionsunterricht solche Diskussionen ermöglicht, lädt er ein, die Grenzen menschlicher Erkenntnis und grundlegende Aspekte des Menschseins zu reflektieren
Diese Einheit umfasst ca. acht Unterrichtsstunden. Schrittweise werden verschiedene Perspektiven auf den freien Willen erarbeitet. Zu Beginn sammeln die Lernenden ihr Vorwissen. Sie formulieren erste Hypothesen zur Willensfreiheit.
Im zweiten Schritt erarbeiten sie sich das Libet-Experiment.
Der dritte Schritt bindet den theologischen und philosophischen Diskurs ein. Ausgewählte philosophische und theologische Texte liefern Argumente dafür, am Konzept des freien Willens festzuhalten, trotz neurowissenschaftlicher Befunde. Es gibt also gute Gründe, Freiheit als Grundlage für Verantwortung, Moral und ethisches Handeln zu verstehen. Anschließend wird die Perspektive erweitert. Im Fokus stehen die Lehren der Reformatoren. Sie betrachteten die menschliche Willensfreiheit vor allem im Zusammenhang mit Gnade und Sünde. Zum Abschluss folgt ein interreligiöser Vergleich. Wie interpretieren verschiedene Weltreligionen den freien Willen und die damit verbundene Verantwortung?
Kompetenzen:
- unterschiedliche Menschenbilder beschreiben
- sich aus der Perspektive des christlichen Glaubens mit anderen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen argumentativ auseinandersetzen;
- sich im Dialog begründet positionieren
Themen:
- Menschenbilder,
- Freiheit und Verantwortung,
- Determination,
- Zugänge zur Wirklichkeit,
- Rechtfertigungslehre
Dauer der Einheit: 8 Stunden
Diese Einheit folgt einem analytisch-diskursorientierten Ansatz. Gezielte Impulse aktivieren das Vorwissen der Lernenden. Eine strukturierte Diskussion verdeutlicht intuitive Vorannahmen zur Willensfreiheit. Verschiedene methodische Zugänge geben Einblick in unterschiedliche wissenschaftliche und philosophisch-theologische Perspektiven. Videoausschnitte veranschaulichen komplexe neurobiologische Sachverhalte.
Die Analyse des Libet-Experiments und die Auseinandersetzung mit den Positionen renommierter Neurowissenschaftler wie Gerhard Roth erfolgt in arbeitsteiliger Gruppenarbeit und wird in gelenkten Diskussionen vertieft. Philosophische und theologische Positionen erschließen sich über textbasierte Methoden.
Dabei kommen unterschiedliche Arbeitsformen zum Einsatz: strukturierte Textanalysen, argumentative Schreibaufträge sowie Think-Pair-Share-Sequenzen, in denen die Lernenden eigene Überlegungen formulieren und untereinander abgleichen. Reflexionsaufgaben helfen, eigene Positionen zu klären und zu begründen. In moderierten Diskussionsrunden üben die Jugendlichen, eigene Standpunkte zu vertreten und verschiedene Perspektiven zueinander in Beziehung zu setzen. In der letzten Stunde über die Willensfreiheit in den Weltreligionen erarbeiten die Jugendlichen in Kleingruppen ein digitales Produkt, das die unterschiedlichen Sichtweisen veranschaulicht. Diese Methode fördert nicht nur die Analysekompetenz, sondern auch soziale und mediale Kompetenzen. Eine LearningApp lädt ein, Wissen spielerisch zu testen.
Diese Einheit knüpft an zentrale Vorgaben des Kerncurriculums für die gymnasiale Oberstufe (beispielsweise) in Hessen an. Sie ermöglicht eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit der Frage nach der Willensfreiheit, indem sie theologische und naturwissenschaftliche Perspektiven integriert. Die Einheit kann sowohl im katholischen als auch evangelischen Religionsunterricht verwendet werden. Hinweise hierzu finden Sie im Material.