RAAbits Ethik/Philosophie Oberstufe Klassen 11/12
Anthropologie
Wie gelingt Verstehen? Wie interpretieren wir Sprache? Wie deuten wir Kunstwerke? Bis heute bildet Gadamers 1960 erschienenes Hauptwerk „Wahrheit und Methode“ den Ausgangspunkt für eine philosophische Klärung des Verstehens in Kunst, Geschichte und Sprache. Ausgehend davon, dass jedes Verstehen auf der Sprachlichkeit des menschlichen Seins beruht, begründete er eine philosophische Hermeneutik, die sich zur universalen Wissenschaft entfaltet.
Im Fokus der Auseinandersetzung mit der Hermeneutik Gadamers innerhalb dieser Unterrichtseinheit für die Klassen 11 und 12 steht die Frage, ob sein erkenntnistheoretisches Modell des Verstehens noch einen Bezug zur Lebenswelt der Lernenden aufweist oder heute nurmehr philosophie- bzw. geistesgeschichtlich von Belang ist. Durchaus plausibel wurde die universelle Hermeneutik dafür kritisiert, Wirklichkeit nur noch im sprachlichen Vollzug zu sehen. Diese Ausrichtung teilt sie mit allen anderen sprachzentrierten Erkenntnismodellen, mit den semiotischen, strukturalistischen, poststrukturalistischen und dekonstruktivistischen.
Themen / Inhalt:
- Hans-Georg Gadamer,
-
Wahrheit und Methode,
- Hermeneutik,
- Wilhelm Dilthey,
- hermeneutischer Zirkel,
- Horizontverschmelzung
Kompetenzen:
- analytisches Textverständnis,
- Urteilsbildung,
- Kenntnisse der universellen Hermeneutik, des logischen Positivismus und des kritischen Rationalismus kritisch reflektieren und anwenden
Dauer der Einheit:8 Unterrichtsstunden + 2 Stunden Lernerfolgskontrolle
Gadamers Philosophie ist in Sprache und Gedankenführung anspruchsvoll und zuweilen schwer zugänglich. Die ausgewählten Textstellen entstammen alle dem Kapitel „Grundzüge einer Theorie der hermeneutischen Erfahrung“. Um die Lernenden zu entlasten, wurde hierbei darauf geachtet, Verweise und Rückbezüge des Autors herauszunehmen, damit der Lese- und Lernprozess gerade verlaufen kann. Wo nötig, wurden lange Darstellungsstrecken durch Hinweise ersetzt, um Argumentationslücken aufwandsparend zu schließen. Den Ausgangspunkt für die hier vollzogene didaktische Reduktion bildet die Frage danach, wie sich die „hermeneutische Erfahrung“ ereignet.