Arbeitsmaterialien für die Oberstufe
Zeit, Lebensgefühl und Gedankenwelt der Expressionisten | Großstadt und Industriezivilisation
Der Expressionismus ist für heutige Schüler/-innen, die sich an moderne Technologie, einen von Hektik geprägten Lebensstil, an Globalisierung, Bilderwelten und Bilderuten gewohnt haben, sehr fremd, obwohl jene Zeit doch auch so nah ist, da damals wie heute zivilisatorische und technologische Fortschritte wie Gefahren existieren, alle Menschen betreffende Herausforderungen entstehen und der Frieden keineswegs als für immer gesichert gesehen werden kann. Die Expressionisten lebten in einer der längsten Friedensepochen der europäischen Geschichte, die mit einem Schlag nach vierzig Jahren endete. Wer gibt uns die Sicherheit, dass sich die noch weitaus länger währende Friedensperiode nach dem Zweiten Weltkrieg (gut siebzig Jahre) nicht auch schlagartig ändert? Wenn man Schüler/-innen auf diese Zusammenhänge verweist, wird der Expressionismus vielleicht sogar interessant - und auch eine Auseinandersetzung mit den Positionen der Autoren, d. h. der Frage, inwieweit ihre Antworten auf die Herausforderungen ihrer Zeit noch Anregungen für heute enthalten - oder sich eben als unbrauchbar erwiesen.
Die vorliegende Unterrichtssequenz in zwei Modulen versucht mit unterschiedlichen Materialien (Bild, Film, Sachtext, literarische Texte) ein Gesamtbild der Epoche zu entwickeln. Ob es bei diesem Kennenlernen der Expressionisten bleibt oder ob ausgehend davon z. B. eine Vertiefung im Rahmen von Gedichtinterpretationen bzw. -vergleichen erfolgt, ist natürlich Ihnen überlassen, aber mit dieser Unterrichtssequenz existiert auf jeden Fall ein solides Grundwissen über den Expressionismus.
Die Einstellung der Expressionisten zum Krieg wird in dieser Unterrichtseinheit nur gestreift, weil das Thema sehr komplex ist.
Die Unterrichtsbausteine:
- Zeit, Lebensgefühl und Gedankenwelt der Expressionisten
- Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der Lebenswelt der Expressionisten auseinander und erkennen die geistigen Herausforderungen der damaligen Zeit.
- Sie lernen den künstlerischen Anspruch und neuen Weg der Expressionisten kennen.
- Sie arbeiten aus einer Reihe repräsentativer Gedichte die Grundmerkmale expressionistischer Lyrik heraus.
Großstadt und Industriezivilisation als zentrale Themen des Expressionismus
- Die Schülerinnen und Schüler lernen die damals neu entstehende Filmkultur kennen und sehen, wie die expressionistische Wahrnehmung der Großstadtwelt und der modernen Zivilisation in zwei lmischen Zeitdokumenten umgesetzt wird.
- Sie analysieren Filmbilder und Filmplakate.
- Sie setzen Bildinhalte kreativ in Sprachbilder um, die sich am expressionistischen Stil orientieren.
- Sie untersuchen ein repräsentatives Großstadtgedicht genauer und erkennen so die Nähe von lmischer und sprachlicher Beschreibungsweise.
Aus dem Inhalt / Die Texte :
- Kurt Pinthus über die Neuerungen jener Zeit und ihre Folgen für die Menschen
- Wilhelm Klemm: Meine Zeit (1920)
- Kasimir Edschmid über den literarischen Expressionismus
- Ernst Stadler: Form ist Wollust (1914)
- Alfred Wolfenstein: Städter (1914)
- Gottfried Benn: Nachtcafé (1912)
- Gottfried Benn: Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke (1912)
- August Stramm: Vorübergehn (vor 1915)
- Jakob van Hoddis: Weltende (1911)
- Alfred Lichtenstein: Sommerfrische (1913)
- August Stramm: Werttod (vor 1915)
- Ernst Wilhelm Lotz: Aufbruch der Jugend (ersch. 1916)
- Ernst Stadler: Der Spruch (1914)
- Expressionismus - Geistige Einordnung
- Elemente expressionistischer Lyrik und ihr Hintergrund
- Walther Ruttmann (Regisseur): "Berlin - Die Sinfonie einer Großstadt"
- Fritz Lang (Regisseur): "Metropolis" (Erstaufführung 1927; expressionistischer Science-Fiction-Film)
- Georg Heym: Der Gott der Stadt (1910)