Heft 5 aus der Reihe "Consilia - Lehrerkommentare"
Während Ovid mit seinen "Metamorphosen" - wie auch mit Auszügen aus den "Fasten" und "Tristien" - seit jeher einen festen Platz im Lektürekanon der Schule behauptet, hat seine Ars amatoria im Lateinunterricht bisher kaum eine Rolle gespielt, ja sie ist geradezu gemieden worden. Der Grund dafür war neben dem Titel, der falsche Erwartungen wecken kann, die Offenheit, mit der Ovid Bereiche behandelt, die bis in unsere Zeit hinein einem Tabu unterlagen. Das Ergebnis mußte ein sehr einseitiges Bild vom literarischen Können und von der Person Ovidssein; denn zu Beginn seiner Selbstbiographie (Tristien 4,10,1) hebt er als charakteristisches Kennzeichen seiner literarischen Tätigkeit gerade den tenerorum lusor amorum hervor. Zum anderen blieb eine besonders günstige Möglichkeit ungenutzt, Schülern einen Einblick in zwei literarische Genera zu geben, in denen die römische Literatur durchaus Eigenständiges und Bemerkenswertes zu bieten hat. Denn die Genera "Lehrgedicht" und "Liebeselegie", die Ovid in der Ars amatoria kunstvoll miteinander verbunden hat, lernten die Schüler nur gelegentlich durch eine Begegnung mit Lukrez' De rerum natura oder eine Tibull- bzw. Properzauswahl kennen1; alle drei Autoren sind aber für Schüler nicht unbedingt leicht zugänglich, so daß sie allzu oft in der Schule auch überhaupt nicht zu Wort kamen.
Heute hat sich die Situation in Schule und Gesellschaft geändert: Die Schüler haben zum einen eindimensional biologisch ausgerichtete, naturwissenschaftlich nüchtern, bisweilen "trostlos" formulierte Fachtermini eines früh einsetzenden Sexualkundeunterrichts im Ohr. Zum anderen lachen ihnen von jedem Zeitungskiosk zahlreiche Erzeugnisse der Trivialliteratur oder Subkultur zum Thema "Liebeskunst" entgegen. So kann eine Ars amatoria-Lektüre heute neben der willkommenen Erweiterung literarhistorischer Kenntnisse eine wichtige kontrastive Bildungsfunktion erfüllen. Denn während moderne Ratgeber scheinbar gleicher Thematik sich weitgehend auf das Gebiet der Sexualität beschränken und es in aller Breite abhandeln, nimmt Ovid das unerschöpfliche Thema Liebe zum Anlaß, seinen Lesern in farbiger, psychologisch einfühlsamer Darstellung die ganze Vielfalt menschlichen Verhaltens und der dabei wirksamen Kräfte vorzuführen. Das spricht Jugendliche ohne Zweifel an, zumal sie sich gerade zu dem Zeitpunkt, wenn die Ars amatoria-Lektüre sprachlich bewältigt werden kann, sehr intensiv mit Auswahl, Zuwendung und Reaktionen möglicher Partner bzw. Partnerinnen auseinandersetzen.
In diesem Heft finden Sie viele Anregungen, Anleitungen und Hinweise zur Bearbeitung im Unterricht.
Während Ovid mit seinen "Metamorphosen" - wie auch mit Auszügen aus den "Fasten" und "Tristien" - seit jeher einen festen Platz im Lektürekanon der Schule behauptet, hat seine Ars amatoria im Lateinunterricht bisher kaum eine Rolle gespielt, ja sie ist geradezu gemieden worden. Der Grund dafür war neben dem Titel, der falsche Erwartungen wecken kann, die Offenheit, mit der Ovid Bereiche behandelt, die bis in unsere Zeit hinein einem Tabu unterlagen. Das Ergebnis mußte ein sehr einseitiges Bild vom literarischen Können und von der Person Ovidssein; denn zu Beginn seiner Selbstbiographie (Tristien 4,10,1) hebt er als charakteristisches Kennzeichen seiner literarischen Tätigkeit gerade den tenerorum lusor amorum hervor. Zum anderen blieb eine besonders günstige Möglichkeit ungenutzt, Schülern einen Einblick in zwei literarische Genera zu geben, in denen die römische Literatur durchaus Eigenständiges und Bemerkenswertes zu bieten hat. Denn die Genera "Lehrgedicht" und "Liebeselegie", die Ovid in der Ars amatoria kunstvoll miteinander verbunden hat, lernten die Schüler nur gelegentlich durch eine Begegnung mit Lukrez' De rerum natura oder eine Tibull- bzw. Properzauswahl kennen1; alle drei Autoren sind aber für Schüler nicht unbedingt leicht zugänglich, so daß sie allzu oft in der Schule auch überhaupt nicht zu Wort kamen.
Heute hat sich die Situation in Schule und Gesellschaft geändert: Die Schüler haben zum einen eindimensional biologisch ausgerichtete, naturwissenschaftlich nüchtern, bisweilen "trostlos" formulierte Fachtermini eines früh einsetzenden Sexualkundeunterrichts im Ohr. Zum anderen lachen ihnen von jedem Zeitungskiosk zahlreiche Erzeugnisse der Trivialliteratur oder Subkultur zum Thema "Liebeskunst" entgegen. So kann eine Ars amatoria-Lektüre heute neben der willkommenen Erweiterung literarhistorischer Kenntnisse eine wichtige kontrastive Bildungsfunktion erfüllen. Denn während moderne Ratgeber scheinbar gleicher Thematik sich weitgehend auf das Gebiet der Sexualität beschränken und es in aller Breite abhandeln, nimmt Ovid das unerschöpfliche Thema Liebe zum Anlaß, seinen Lesern in farbiger, psychologisch einfühlsamer Darstellung die ganze Vielfalt menschlichen Verhaltens und der dabei wirksamen Kräfte vorzuführen. Das spricht Jugendliche ohne Zweifel an, zumal sie sich gerade zu dem Zeitpunkt, wenn die Ars amatoria-Lektüre sprachlich bewältigt werden kann, sehr intensiv mit Auswahl, Zuwendung und Reaktionen möglicher Partner bzw. Partnerinnen auseinandersetzen.
In diesem Heft finden Sie viele Anregungen, Anleitungen und Hinweise zur Bearbeitung im Unterricht.
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