Ethische Überlegungen zum moralischen Preis des medizinischen Fortschritts, Teil 2
Der Artikel ist in der Zeitschrift UNIVERSITAS 1/2007 erschienen.Mit seinem aktuellen wie gesellschaftlich brisanten Thema eignet er sich sehr gut als Grundlagenlektüre für kritische Betrachtungen im Unterricht.
Der medizinische Fortschritt ist zum einen ambivalent, denn er entfaltet - wie jede Aktivität in der Medizin - sowohl erwünschte Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen. Zum anderen liegt das, was man mit dem Begriff "Fortschritt" beschreibt, in der Regel in einer mehr oder weniger fernen Zukunft verborgen. Seine tatsächlichen Konsequenzen können heute nur in Umrissen vorausgesagt werden. Gleichwohl muss sich die Ethik mit dem Fortschritt in der Medizin beschäftigen: Dürfen wir das, was technisch realisierbar ist, unter ethischen Gesichtspunkten anstreben? Welche moralischen Maßstäbe sind die angemessenen in einer durch weltanschaulichen Pluralismus charakterisierten Gesellschaft, deren kaum noch grundlegend reflektiertes, von Politik und Industrie gemeinsam intoniertes Ziel Wirtschaftswachstum lautet? Ist nicht auch die Medizin neuerdings eine Wachstumsbranche, und verbietet sich da nicht jeder von ethischen Motiven geprägte und womöglich ökonomisches Wachstum hemmende Eingriff? Was wird und was darf uns die Medizin künftig kosten - in wirtschaftlicher, aber auch in moralischer Hinsicht?
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